Donnerstag, 20. April 2017

Alte Technik, neu entdeckt - Eine Spanschachtel entsteht



Eine der Spanschachteln aus der Älteren
Eisenzeit des Hallstätter Salzbergwerkes
(Bild: A.W. Rausch - NHM Wien)
Echte Spanschachteln, aus einem gebogenen Holzspan mit angenageltem oder angenähtem Boden, sind seit der Bronzezeit in geringer Fundzahl bekannt.
Der bedeutendste prähistorische Fundkomplex an Spanschachteln in Europa stammt aus Hallstatt und datiert in die Ältere Eisenzeit. 

Dabei waren Spanschachteln als Verpackung bis vor kurzem ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Sind die neuzeitlichen Stücke aus Mitteleuropa aus Nadelholz gefertigt, bestehen die eisenzeitlichen Fundstücke aus Eschenholz, genauer gesagt aus je einem einzigen Jahrring. Diese lassen sich allerdings nur durch eine Technik gewinnen, die in der Welt nur an insgesamt drei Stellen bekannt ist.  

Frisch geschlagener Eschenholzstamm
(Bild: E. Mahrdt - NHM Wien)
Um diese Methode vor dem Aussterben zu bewahren, zu erhalten und besser zu begreifen kommt wieder einmal die experimentelle Archäologie ins Spiel. 

Dabei sollen Haltbarkeit und Belastbarkeit der eisenzeitlichen Spanschachteln, sowie der Aufwand zu ihrer Herstellung getestet, Anschauungsobjekte geschaffen und ein Einblick in etwaige Handwerkstechniken gewonnen werden.

Begonnen wird mit dem Fällen von Eschen mit geradem Wuchs. Der Stammabschnitt, der verwendet werden soll, sollte keine Äste aufweisen und einen Durchmesser von wenigstens zehn Zentimetern haben, da die Jahrringe dann flacher ausfallen und breitere Streifen gewonnen werden können. Stammsegmente von maximal 60 Zentimetern reichen aus, um auch die größten Spanschachteln aus Hallstatt rekonstruieren zu können. 

Durch Klopfen des radial gespaltenen Scheites...
(Bild: E. Mahrdt - NHM Wien)
Die Suche nach geeigneten Bäumen erwies sich als detektivische Arbeit, da in einigen Gegenden Österreichs das Eschensterben so weit fortgeschritten ist, dass kaum noch geeignete Bäume gefunden werden können. 
Das Eschensterben wird ausgelöst durch einen Pilzbefall der Bäume, der zum Austrocknen der befallenen Bäume führt. 

Eigene Experimente mit befallenem Holz und welchem, das im Winter gefällt wurde haben gezeigt, dass das Material nicht feucht genug ist, um die Jahrringe einfach und ohne größere Schäden voneinander trennen zu können. Oftmals entstehen beim Klopfen von trockenem Holz Risse in den Jahrringen. 

Im Frühjahr oder Frühsommer gefälltes ist hingegen so feucht, dass es biegsamer ist und dadurch weniger riss- und bruchanfällig. Daher zieht es mich im Frühjahr in den Wald, getreu dem Motto: „Wenn der Saft steigt, entsteht eine Schachtel“. 

...spaltet sich das Holz in seine Jahrringe auf.
(Bild: E. Mahrdt - NHM Wien)
Die gewonnenen Spansegmente werden radial mit einem Beil zu schmalen Sektoren gespalten, die wiederum mit einem Hammer auf einer harten Unterlage – einem Amboss oder Holzklotz – geklopft werden. 
Dadurch werden die großen Frühholzgefäße der Esche zerdrückt und die Späne lösen sich nach Jahresringen ab.
 
So weit, so gut. Das Rohmaterial ist gewonnen, dann kann es an die aufwendige Verzierung und Herstellung der eigentlichen Spanschachtel gehen. Doch dazu nächste Woche mehr.

von Eike Mahrdt, Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter

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