Donnerstag, 27. Oktober 2016

Auf Ramsauers Spuren - Anno domini 1846



Übersichtszeichnung der Gräber aus
Ramsauers "Protokollen" (NHM Wien)
Im November 1846, also vor genau 170 Jahren, wurde erstmals der Friedhofcharakter des Gräberfeldes Hallstatt erkannt. Obwohl schon lange vor Johann Georg Ramsauer im Salzbergtal über Hallstatt prähistorische Gegenstände geborgen wurden, ja sogar systematisch nach ihnen gesucht wurde, gilt er als der eigentliche Entdecker des Gräberfeldes. 

In seinem, in zahlreichen Abschriften erhaltenen Grabungsbericht, den sogenannten Protokollen, schreibt er darüber:

Der Verfasser kam auf dieselbe Weise, nähmlich durch Öffnung einer Schottergrube im November 1846, womit ein zerstörtes Sckelet gefunden, zur Aufdeckung des Leichenfeldes, und zwar damit, dass er gleich im seinem Beisein und mit aller Sorgfalt einen Flächenraum von 4 Klafter aufgraben ließ, womit er nach einiger Zeit so glücklich war, gleich sieben Sckelete mit einigen Schmucksachen zu treffen, und bald darauf sah er zugleich durch die Lage der Sckelete, die alle in zimlich gleicher Richtung, das Gesicht gegen Sonnenaufgang gewendet, durch die gestreckte Lage des Körpers, die Hände nach dem Leib oder an der Brust einen ordendlichen Begräbnisplatz erkennen ließ, und so forschte der Verfasser noch
eifriger fort.
Originalzeichnung der Gebrüder
Lindenschmit und die Kopie, die
Ramsauer anfertigen ließ (NHM Wien)
Es folgten 18 äußerst erfolgreiche Grabungsjahre mit sensationellen Funden, die bekanntlich dazu führten, dass eine ganze prähistorische Kultur Hallstattkultur genannt wird. Aber es war kein Zufall, dass Ramsauer den „Altertumsfunden“ gegenüber eine andere Einstellung hatte, als seine Vorgänger. 

Am 26. Juni 1846 hatte die k. k. oberennsische Landesregierung eine Kundmachung veröffentlicht, in der der Umgang mit archäologischen Funden geregelt wurde. Als Bergmeister war Ramsauer k. k. Beamter und hatte daher unmittelbaren Zugang zu amtlichen Erlässen und war zu deren Beachtung verpflichtet.

In den ersten Jahren wurde Ramsauer vom Linzer Museum Francisco Carolinum, dem heutigen Oberösterreichischen Landesmuseum, betreut. Bereits im Sommer 1847 wurde der „ständige Registrant“ Georg Weishäupl nach Hallstatt geschickt. Dieser war offensichtlich sehr erfahren und ein guter Zeichner. Von ihm hat Ramsauer wohl die Art seiner Dokumentation gelernt.

Beispielgebend wurde bald das wegweisende  Werk der Gebrüder Lindenschmit, "Das germanische Todtenlager bei Selzen in der Provinz Rheinhessen", das 1848 erschienen ist. Offensichtlich war der Erwerb eines Exemplares für Ramsauer unerschwinglich und er ließ eine
handschriftliche Kopie anfertigen. Um fünf Gulden konnte die Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien aus dem Nachlass Ramsauers von dessen Schwester diese Abschrift erwerben.

Bemerkenswert ist, dass auch die Darstellungen der Grabsituationen penibel kopiert wurden. Unverkennbar ist die Vorbildwirkung der farbigen Abbildungen für Ramsauers Dokumentation. Einer seiner wichtigsten Mitarbeiter, Isidor Engl, der die Arbeit Ramsauers nach dessen Pensionierung weiterführte, war ein sehr begabter Schüler.

Obwohl er nicht der Einzige war, der im Auftrag Ramsauers Zeichenarbeiten ausführte, ist nur er im Bewusstsein der wissenschaftlichen Nachwelt verankert.

von Fritz Eckart Barth

Kundmachungen der k.k. oberennsischen Landesregierung (NHM Wien)

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