Donnerstag, 7. Juli 2016

Rohhaut ist kein Rosenwasser



Der eisenzeitliche Rucksack aus
dem Hallstätter Salzbergwerk
(Bild: A.W. Rausch - NHM Wien)
Der älteste bekannte Rucksack Europas stammt aus dem Salzbergwerk Hallstatt und ist über 2500 Jahre alt. Das gute Stück wurde aus einer Ziegenhaut gefertigt, die ohne Bauchschnitt abgezogen wurde und ist im Naturhistorischen Museum Wien ausgestellt. 
Eines der Ziele der heurigen Saison ist es, etliche dieser Ur-Rucksäcke nachzubauen und auf ihren Tragekomfort, Bedienbarkeit und Abnutzungsspuren zu testen. Der Rucksack aus Hallstatt weist nämlich eine spezielle Eigenheit auf: er wird von unten befüllt und verschließt sich von selber, wenn man ihn schultert.

Da der Ur-Rucksack aus Ziegenrohhaut gefertigt ist, musste entsprechendes Material besorgt werden. Die Ziegenhaltung in Mitteleuropa ist inzwischen verhältnismäßig selten geworden, deshalb erwies sich die Beschaffung als schwierig. Außerdem musste der Lieferant sicherstellen, dass die entsprechenden Ziegen nach der Schlachtung ohne Bauchschnitt abgezogen wurden. Eine heute äußerst unübliche Praxis, die für die Anfertigung eines solchen Rucksackes unumgänglich ist.

Fündig wurde ich bei einem Fellhändler in Deutschland, der mir verhältnismäßig schnell neun entsprechende Rohfelle zusenden konnte. Da es sich um Rohmaterial handelte, musste alles schnell gehen, denn die Häute mussten trocken und luftig zwischengelagert werden, ehe es wenige Tage später im Rahmen der mehrtägigen Lehrveranstaltung "Experimentalarchäologie in der Praxis" der Universität Wien in Asparn an der Zaya an die Weiterverarbeitung gehen konnte. 

Der erschreckend lebendige Inhalt des
Pakets (Bild: D. Breineder - NHM Wien)
Überrascht, einige Tage später von der Post nur ein, statt zwei Pakete, ausgehändigt zu bekommen, ging ich trotz allem sofort an die Verarbeitung. Schon beim Öffnen des Paketes verbreitete sich ein unangenehmer Duft nach alten Hundeknochen. Glücklicherweise waren die ersten drei Felle in Ordnung, das viele noch anhaftende Stroh ein für mich beruhigender Hinweis, dass es sich um Stallschlachtung gehandelt haben dürfte. 

Das letzte Stück jedoch unterschied sich deutlich von den anderen. Stellenweise vollkommen nass und angeschimmelt, stank es nicht nur deutlich mehr, sondern war auch alles andere als leblos. Maden, überall! Auf der Haut und im Karton krochen unzählige davon umher. Nicht vollkommen überrascht aber doch einigermaßen angewidert und erbost, musste ich diese kontaminierte Haut sofort entsorgen. 


Was wohl aus dem zweiten Paket mit den restlichen Häuten geworden ist? Vielleicht ist es inzwischen selbst zurück nach Deutschland gelaufen..

Mit den Freuden einer Lieferung wohlduftendem, frischem Leder kann so eine Box voller Rohhaut freilich nicht mithalten. Dennoch war ich froh, die Herstellung der Rucksäcke konnte nun bald losgehen!

von Daniel Breineder, Hans Reschreiter und Fiona Poppenwimmer

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