Donnerstag, 14. Juli 2016

Alles Käse? Spanschachteln aus dem Bergwerk


Spanschachteln sind für uns nach wie vor eine bekannte Verpackung für Käse. Die Geschichte dieser Holzschachteln reicht bis in die Bronzezeit zurück.

Eine der eisenzeitlichen Spanschachteln aus dem
Hallstätter Salzberg (Bild:NHM Wien)
Der größte europäische Fundkomplex an eisenzeitlichen Spanschachteln stammt aus dem Hallstätter Salzbergwerk. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten einige fast vollständige Spanschachteln und über 20 Fragmente solcher Behälter entdeckt. 

Etliche dieser Schachteln weisen an der Wandinnenseite oder am Boden eine gelbliche Kruste auf. 
Vor genau 50 Jahren wurde von Karl Kromer eine erste Analyse dieser Kruste publiziert: „Eine chemische Untersuchung hat ergeben, dass in diesen Schachteln möglicherweise stark kaseinhaltige Substanzen aufbewahrt wurden (Kromer 1966, 233).“


Seitdem werden die Hallstätter Spanschachteln als Käseschachteln bezeichnet.
Um diese Vermutung zu bestätigen oder zu überprüfen, sind wir seit Jahren auf der Suche nach geeigneten Analyseverfahren. 

Auf der Universität für Bodenkultur machen wir nun einen ersten Schritt in diese Richtung. Johannes Tintner und Barbara Stefke entführen uns mit unserer Spanschachtelprobe ins 2,5. Untergeschoss des Simon Zeisel Hauses, dem Imaging Centers in der Muthgasse.

Innenseite einer Spanschachtel mit gelblicher Kruste
(Bild: Univ. für Bodenkultur Wien)
Dort steht neben vielen anderen Analysegeräten ein FT-IR Mikroskop, mit dem berührungslos Reflexionsspektren im mittleren Infrarot aufgenommen werden können. Damit ist es möglich infrarot aktive organische und anorganische Substanzen zu bestimmen.  
 
Neben der zerstörungsfreien Analyse hat dieses Gerät noch einen zweiten großen Vorteil – es kann ein Image aus vielen Messpunkten erstellen – also Flächenmessungen vornehmen. 

Im Moment ist unser Spanschachtelfragment gerade ins Gerät eingespannt und wir sind schon total neugierig ob vor 2500 Jahren im Bergwerk alles Käse war in den Schachteln, oder ob sich doch eine andere Substanz hinter der gelben Kruste verbirgt. 
(von Hans Reschreiter)

Genaue Analysen im Labor der Universität für Bodenkultur (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

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