Donnerstag, 21. April 2016

Von Funden und Befunden - Archäologische Dokumentation

In unserer neuen Reihe "Von Funden und Befunden", berichten wir über jene Tätigkeiten in der Archäologie, die vielleicht manchmal von der Öffentlichkeit weniger stark wahrgenommen werden. Was passiert wirklich alles auf einer Ausgrabung? Wo kommen die Funde nach der Bergung hin? Was versteckt sich hinter den Kulissen eines Museums? (Red.)

„Archäologische Maßnahmen stellen häufig irreversible Eingriffe in das überlieferte archäologische Erbe dar. So verbleiben nach einer archäologischen Grabung mitunter unbewegliche Bodendenkmale an Ort und Stelle, zumeist bewegliche Bodendenkmale (=archäologische Fundgegenstände) und immer Dokumentationsunterlagen. Diese Bodendenkmale und Dokumentationen treten in ihrer Gesamtheit an die Stelle der veränderten oder zerstörten Fundstelle, führen deren Quellenfunktion weiter und sind somit als Bestandteile des archäologischen Erbes zu betrachten und zu bewahren.“
                                            - Richtlinien für archäologische Maßnahmen, 2010

Vor allem der Zusammenhang zwischen Fund und
Umgebung zählt (Bild: D.Brandner - NHM Wien)
Diese Prämisse, entnommen aus den „Richtlinien für archäologische Maßnahmen“ des Bundesdenkmalamtes, formuliert prägnant den wichtigsten Grundsatz archäologischer Forschung. Jede Art der Ausgrabung bedeutet nämlich letztendlich in den meisten Fällen eines: die Zerstörung des Befundes durch die Forschung. Innerhalb der Wissenschaften stellt die Archäologie hinsichtlich ihrer wichtigsten Informationsquelle, des Befundes, einen absoluten Ausnahmefall dar. Ein archäologischer Befund kann nun mal nicht, wie beispielsweise eine Schriftquelle, beliebig oft gelesen werden. Nach einmal Lesen ist er weg.
Genauso gehen wichtige Informationen oft verloren, wenn Funde aus diesem Befundzusammenhang gerissen werden. Denn anders als unser aller heimliches Role-Model Indiana Jones, sind Archäologen eben auch an den Hintergründen eines Fundes interessiert und nicht vorrangig an seinem materiellen Wert.

Dementsprechend tragen die AusgräberInnen die immense Verantwortung, diese Zerstörung nicht nur kontrolliert ablaufen zu lassen, sondern auch bestmöglich zu dokumentieren, um so viel Information wie möglich aus dieser Quelle ziehen zu können.
Dieses „bestmöglich“ ist durch die rasche technische Entwicklung naturgemäß einem starken Wandel unterworfen. Digitale Vermessung, Fotodokumentation und dreidimensionale Visualisierung der Befunde sind heutzutage Standard und helfen dabei, die komplizierten Zusammenhänge eines Fundkomplexes darzustellen. 

Um diese Standards der Dokumentation festzulegen und zu vereinheitlichen, wurden vom Bundesdenkmalamt, in Zusammenarbeit mit einem Expertengremium, im Jahr 2010 erstmals die „Richtlinien für archäologische Maßnahmen“ herausgegeben. Darin sind sämtliche Schritte, die zur Vorbereitung, Durchführung und Dokumentation einer Ausgrabung erforderlich sind, festgehalten. Um auf dem Stand der fachlichen Entwicklung bleiben zu können, werden diese Richtlinien regelmäßig überarbeitet und aktualisiert.

Mehr zu den Hintergründen archäologischer Ausgrabungen und speziell der heiklen Frage der Dokumentation gibt es bald hier zu lesen. Zum Beispiel wenn unsere Vermessungsexpertin Julia Klammer über das schwierige Unterfangen berichtet, Befundzeichnungen aus dem Hallstätter Bergwerk um eine Dimension zu erweitern und in ein anschauliches Modell zu verwandeln.
(von Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter)

Genaueste fotografische Dokumentation des Befundes (Bild: D. Brandner - NHM Wien)

Kleines Archäologie-Lexikon: "Befund"
nach Felgenhauer: "Feststellungen über die Beziehung der einzelnen Funde zueinander und ihre Lagerung im Boden, aber auch dokumentierte Belege ursprünglich körperhafter Gegenstände, die vergangen und nur mehr als Verfärbungen ..., Abdrücke oder Hohlräume im umgebenden Erdboden zu erkennen sind, ebenso aber auch nur während der Ausgrabung sicht- und nicht erhaltbare  oder nur zu rekonstruierende Bauten, Anlagen und dergleichen mehr."
Mehr dazu beispielsweise auf Wikipedia nachzulesen.


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