Freitag, 11. März 2016

Wider den Zeitgeist

Hallstatt und das Gräberfeld im Hochtal
Blick nach Nordwesten (Bild: Luftbildarchiv
Inst. f. Urgesch. u. Histor. Archäologie)
Seit 42 Jahren verbringe ich mit meiner Familie die Tage um Silvester in unserer Hütte im Salzbergtal über Hallstatt. So auch den letzten Jahreswechsel und da ist mir wieder einmal die Abgeschiedenheit und Unzugänglichkeit dieses Hochtales so richtig bewusst geworden. Wenn man jeden Apfel, jeden Liter Milch, das Blei fürs Bleigießen, einfach alles zu Fuß vom Tal hochschaffen muss, kann man sich die Verhältnisse der Urzeit wohl besser vorstellen. 

Besonders wenn man weiß, dass der heutige (relativ bequeme) Weg erst in den 1850er Jahren angelegt wurde. Und zwar unter jenem Bergmeister Ramsauer, dem auch die Entdeckung des Gräberfeldes verdankt wird. Und deshalb wundere ich mich zunehmend über jene Kolleginnen und Kollegen, die im Salzbergtal ein Handwerker- und Handelszentrum sehen wollen.

Die Tatsache, dass im Gräberfeld Hallstatt mehr Bernsteinschmuck gefunden wurde als überall sonst, berechtigt meiner Ansicht nach nicht zu der Annahme, dass dieser im Hochtal angefertigt wurde. Das gleiche gilt für Blechgürtel, bestimmte Fibel- und Dolchformen und anderes. Mit der gleichen Logik müsste man die meisten Solinger Messer in Solingen oder das meiste Meissner Porzellan in Meissen erwarten können. Man konnte und wollte sich diese kostbaren Dinge einfach leisten. Dass anderenorts für diese finanzstarke Klientel auch Sonderanfertigungen gemacht wurden, ist natürlich möglich. Dass diese Dinge aber im Hochtal selbst erzeugt wurden, kann man meiner Ansicht nach auf Grund der topographischen Gegebenheiten ausschließen. Kein Kunsthandwerker von Rang wird sich unnotwendiger Weise den Widrigkeiten eines Lebens  im Salzbergtal aussetzen, auch wenn dieses damals sicher kein einsamer Ort war. 

Funde von Werkzeug in mehreren Gräbern des Halstätter Gräberfeldes sind kein Beweis für ortsansässige Handwerker. Werkzeug in Gräbern ist eine seltene aber weit verbreitete Sitte, die schon oft und intensiv diskutiert wurde. Sie hängt aber wohl eher mit dem“ Hobby“ waffentragender, sozial herausragender Männer zusammen.

Genau so wenig kann ich mich mit dem Gedanken anfreunden, im Salzbergtal ein Handelszentrum zu sehen. Man muss sich vorstellen, dass Waren stundenlang den Berg hinauf geschleppt werden, nur um sie gegen andere Waren zu tauschen, die dann wieder den Berg hinunter geschleppt werden müssen. Eine sehr unwahrscheinliche, aber weit verbreitete Vorstellung. Wenn man aber nach Hallstatt gekommen ist, um Salz einzukaufen, dann kann man meiner Meinung nach nicht von einem Handelszentrum sprechen.
Ich bleibe daher entgegen der heute modernen Sichtweise bei der althergebrachten Meinung, dass im Salzbergtal nur jene Menschen geduldet wurden, die mit der Salzgewinnung mittelbar oder unmittelbar befasst waren. Es war wohl schwierig genug diese offensichtlich nicht unerhebliche Zahl mit dem Nötigsten zu versorgen.    
(von Fritz Eckart Barth)

Hallstatt und das Salzbergtal - Blick nach Westen
(Bild:
Luftbildarchiv Inst. f. Urgeschichte u. Historische Archäologie)
 

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