Donnerstag, 17. März 2016

Von Holz zu Holz - Die Holzfunde von der Göge-Alm


Steinhaus im Ahrntal. Im Vordergrund das
Südtiroler Bergbaumuseumim Kornkasten.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet
sich der Göge-Schauraum. (Bild: H. Reschreiter)
Holz war durch viele Jahrtausende der wichtigste Rohstoff des Menschen. Ohne Holz kaum Behausung, kaum Geräte und Werkzeuge, kaum Geschirr. Für die Jungsteinzeit und die Bronzezeit sind wir durch die vielen Holzfunde, die sich unter anderem in den Pfahlbauten und Feuchtbodensiedlungen rund um die Alpen erhalten haben, gut über die Holzkultur informiert. 

Ab der älteren Eisenzeit ist Wohnen am oder im Wasser nicht mehr belegt und es sind daher beinahe keine Objekte aus Holz oder Rinde erhalten. Der kleine Teil der überlieferten materiellen Kultur der Eisenzeiten beschränkt sich auf Objekte aus Keramik, Metall, Knochen bzw. Geweih und Stein. 
 
Nur an ganz wenigen Orten haben sich nennenswerte Fundensembles aus organischem Material ausnahmsweise erhalten. Die bekanntesten sind die Salzbergwerke in den österreichischen Alpen – Hallstatt  und Dürrnberg/Hallein.
Schauraum der Gemeinde Steinhaus i. Ahrntal
zu den Funden Göge Alm.

(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

Seit über 10 Jahren ist ein weiterer ältereisenzeitlicher Holz-Hotspot bekannt. Auf Göge-Alm im hinteren Ahrntal/Italien wurde ein großer Bestand an im Moor deponierten Holzschaufeln, Kellen und Paletten entdeckt und vom Amt für Bodendenkmäler geborgen. Alle Gegenstände sind angekohlt und werden als Utensilien gedeutet, die im Rahmen von Brandopfern eingesetzt wurden. 

Da die Herstellungspuren an etlichen der Göge-Funde Ähnlichkeiten zu Spuren an zeitgleichen Holzgefäßen aus dem Salzbergwerk Hallstatt aufweisen, wurde von Hubert Steiner vom Amt für Bodendenkmäler beschlossen, die Göge-Funde nach einem ähnlichen Schema wie die Hallstätter Funde aufzunehmen. 


Arbeitsbereich im Denkmalamt Bozen zum
Nachbauen der Göge-Funde. 

(Bild: H.Reschreiter - NHM Wien)
Im Februar erfolgte die Aufnahme dieses faszinierenden Fundensembles im Amt für Bodendenkmäler in Bozen und im Ausstellungsraum in Steinhaus im Ahrntal – der Ausstellungsraum bietet einen sehr würdigen Rahmen für diese einmaligen Funde. Die Arbeitsbedingungen waren ideal – es stand genug Platz zur Verfügung, um alle Stücke auflegen, die Dokumentation ausbreiten und sogar eine kleine Werkstatt zum experimentellen Nachbauen der Stücke aufbauen zu können. 

Die Auswertung dieser Aufnahme wird es ermöglichen den Ablauf der vermutlich rituellen Handlungen auf der 2200 Meter hoch gelegenen Göge-Alm vor über 2500 Jahren genauer beschreiben zu können.
(von Hans Reschreiter)

Angekohlte Holzschaufeln der älteren Eisenzeit von der Göge-Alm im Schauraum der Gemeinde Steinhaus im Ahrntal. 
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

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