Freitag, 22. Januar 2016

Im Berg bin i gern – Ein kurzer Schlussbericht der Bergwerksgrabung 2015

Die erste fassbare Abbauphase dargestellt mit Kreide.
(Bild: D. Brandner)
Wie berichtet, siehe Blogeintrag Im Berg ist alles anders... - Grabung Bergwerk 2015, widmeten wir die Grabungskampagne 2015 der Befundklärung unserer Grabungsstelle Christian-von-Tusch Werk, Alter Grubenoffen im Salzberg zu Hallstatt

Schon seit einiger Zeit bereitet uns die Situation in der bronzezeitlichen Abbaukammer einiges an Kopfzerbrechen. Deutlich unterscheidbare Ablagerungen des Betriebsabfalls, mehrphasige Verbrüche des Schachtes und unterschiedliches Verfüllungsmaterial sorgen dafür, dass wir abends zusammen mögliche Entwicklungsszenarien des Bergbaus, von dem Auffahren der Kammer bis zu deren endgültigem Niedergang, durchdiskutieren und diese an einer Kreidetafel grafisch darstellen. 

Leider gewähren unsere Prospektionsstollen nur einen kleinen Einblick in die Geschichte des Berges. Geschätzte 1-2% der Abbaukammer Christian von Tusch Werk, Alter Grubenoffen wurden bis jetzt ergraben. Der archäologische Arbeitsprozess in Hallstatt gleicht manchmal einer komplizierten Gleichung mit sehr vielen Unbekannten. Schritt für Schritt voranzugehen ist also der einzig mögliche Weg und der nächste Schritt muss immer vorrausschauend geplant werden.

So gelang es uns dieses Jahr festzustellen, dass wir es im Christian-von-Tusch Werk mit zwei vielleicht sogar drei fassbaren Abbauphasen zu tun haben, in denen  zu unterschiedlichen Zeiten Salz abgebaut wurde. Die Abbauphasen sind für uns vor allem an den unterschiedlichen Leuchtspantypen erkennbar, flache und quadratische. Sie zeigen auch, dass der eine Abbau während seiner Betriebszeit auf einen älteren trifft und diesen teilweise abgräbt.

Fotogrammetrieplan des Übergangbereiches
zwischen ersten und zweiten Bergbau.
Gut erkennbar ist der von Norden (rechts)
kommende Quadratspanbau, der in den
südlichen (links) Flachspanbau und dessen
Verfüllung rein schneidet.

(Bild & Layout: D. Brandner)
Die erste Abbauphase, die wir erfassen können, liegt in den westlichen Prospektionsstollen unseres Grabungsbereiches. Dieser Bergbau nutzte flache Leuchtspäne für die Ausleuchtung und ging wahrscheinlich aufgrund eindringender Sole (mit Salz gesättigtem Wasser) nieder. Die Sole weichte das Haselgebirge im Schacht auf und die hölzernen Schachteinbauten stürzten in die Kammer. Auch riesige Kalksteinblöcke, zusammen mit anderem Oberflächenmaterial, fanden ihren Weg in die Halle und blieben zwischen und auf den Schachteinbauten liegen. Langsam verfüllte sich die Halle mit Sedimenten bis zur Decke.

Nördlich der verfüllten Halle wurde über einem anderen uns noch unbekanntem Schacht ein neuer  Bau angelegt. Hier benutzten die Bergleute, im Gegensatz zum ersten Abbau, quadratische und rechteckige Leuchtspäne. Das Heidengebirge ist hier massiver und spricht für einen sehr langen Benutzungszeitraum. Man traf bei diesem neuen Abbau auf die vorherige verfüllte Halle und trug teilweise dessen Heidengebirge und die Verfüllung ab. Vielleicht um für Stabilität in diesem Gebiet zu sorgen. Während dieser Phase entschloss man sich einen Schacht in die Tiefe anzulegen, um darunter eine weitere Abbaukammer aufzufahren. Dazu wurde Heidengebirge teilweise abgegraben und die hölzerne Stiege darauf gebaut. Sie diente als Verbindungsweg zu dem neu angelegten Schacht.

Nach dem Bau der Stiege wurden die quadratischen und rechteckigen Leuchtspäne nicht mehr benutzt und man stieg auf flache Leuchtspäne um. Der Schacht der alten Halle wurde wieder freigelegt und mit neuen Plattformen und Stiegen wieder hergerichtet. Dann kam es zu einer größeren Katastrophe und unaufhaltbare Massen an Oberflächenmaterial drangen in den Berg ein. Ein letzter Versuch wurde gestartet diese mithilfe von Buchenstämmen aufzuhalten, das Unglück konnte jedoch nicht mehr abgewendet werden. Die Buchenstämme wurden in die Tiefe gerissen und das Material füllte den gesamten Hohlraum aus.

Die Theorie passt natürlich nicht hundertprozentig auf die reale Situation. Manche Stellen sind für uns noch immer rätselhaft. Das hier dargestellte Bild des bronzezeitlichen Bergbaus ist noch lange nicht vollkommen. Diese Überlegungen sind jedoch unbedingt notwendig, laufend werden während der Grabung und auch danach neue Aspekte aufgeworfen, diskutiert und verworfen. In diesem einzigartigen Arbeitsgebiet gilt es möglichst viel Information aus dem Wenigen, das uns zugänglich ist, rauszuholen und ein größeres Verständnis für das große Ganze zu  entwickeln. Die abgelagerten Schichten erzählen uns immerhin Geschichte und diese Geschichte fing vor tausenden von Jahren an und besteht bis heute fort.

(von Hans Reschreiter, Daniel Brandner & Christian Seisenbacher)

Die letzte Phase vor dem Beginn der Katastrophe
(Bild: D. Brandner)


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