Donnerstag, 24. Dezember 2015

Jetzt geht´s ans Kilbwerk – Die Arbeiten an der Gesamtpublikation beginnen

„In dem mit Amtsgeschäften überfüllten Canale meines Beamtendaseins sind Buchten wissenschaftlicher Sammlung allzu selten.“ 
 
Josef Szombathy an Rudolf Wirchovw, 14. Mai 1892
(Seit vielen Jahrzehnten hängt dieses Zitat in meinem Arbeitszimmer ) 

Modell des Kilbwerks
(Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Als ich im Jahre 2000 meinen Posten als Direktor der Prähistorischen Abteilung im Naturhistorischen Museum niederlegte und vorzeitig in den Ruhestand übergetreten bin, war einer der Gründe dafür, dass ich einige Altlasten abarbeiten wollte. 

Seit 1961 sind im Salzbergwerk Hallstatt archäologische Ausgrabungen durchgeführt worden, die noch nicht ausreichend publiziert waren und es leider zum Teil noch immer nicht sind. Die Bearbeitung der Grabungen im Kernverwässerungswerk 1981 bis 1997 und der großangelegten Untersuchungen im Grünerwerk 1984 bis 2000 habe ich inzwischen abgeschlossen. Ein paar Expertisen dazu stehen noch aus, die mir jedoch von den damit befassten Kollegen, auf deren Mithilfe ich angewiesen bin, bereits zugesagt wurden. Ich hoffe, sie bald zu erhalten und damit sowohl das Kernverwässerungswerk als auch das Grünerwerk in Kürze endgültig abschließen zu können.

Den größten Brocken, die Grabungen im Kilbwerk der Jahre 1961 bis 1992, habe ich bisher immer vor mir hergeschoben, obwohl schon mehrere Diplomarbeiten mit Material dieser Grabungen abgeschlossen wurden. Das Kilbwerk ist jenes Laugwerk, in dem im Jahre 1734 eine prähistorische Bergmannsleiche gefunden wurde, der legendäre „Mann im Salz“. Diese Tatsache war damals mitentscheidend für die Wahl des Grabungsplatzes durch Karl Kromer. 


In den vielen Jahren der Grabung ist durch ein wendeltreppenartig angelegtes System von Stollen ein nahezu vollständiges Profil von beinahe 30 m Höhe vom Kaiserin Christina Stollen bis hinauf zum Kaiser Josef Stollen entstanden. Der prähistorische Bau ist in einer Breite von 22 Metern und einer Höhe von 20 Metern aufgeschlossen, ohne in irgendeiner Richtung das Ende zu erreichen. Die Erschließung des Befundes ist also höchst komplex. 

Um die verwirrende Lage der Profile zueinander und das Nebeneinander und übereinander der Grabungsstollen besser realisieren zu können, wurde nach einer Idee und mit Hilfe von Hans Reschreiter in den letzten Wochen eine Art Modell erstellt. Kopien der Profilzeichnungen im Maßstab 1: 20 wurden aufkaschiert und im richtigen Abstand zueinander ineinander gesteckt. Dadurch ist es möglich, sich ein authentisches Bild der Gegebenheiten zu machen. 

Ich freue mich auf die Arbeit, die nun vor mir liegt. Ich habe mit meiner Mannschaft viele Jahre im Kilbwerk verbracht. An manchem Papier, das mir nun in die Hände fällt, hängen mehr Erinnerungen als die rein fachlichen. 


(Von Fritz Eckart Barth)

Kilbwerk - Plan der Grabungsstollen (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)





Kommentare:

  1. äusserst vorbildhaft, pflichtbewusst und so manch anderem zur nachahmung empfohlen ;-)

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  2. Alles Gute für die weitere Aufarbeitung!

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  3. Dankeschön! Das Lob und die guten Wünsche werden natürlich umgehend an Eckart weitergeleitet.

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