Donnerstag, 10. September 2015

Eine Stiege geht mit der Zeit



Die mit Spannschlössern
verbundenen Wangenteile.
(Bild: Max Grabner)
Rund zehn Jahre ist es jetzt her, dass die aktuelle Rekonstruktion der Stiege aus dem Hallstätter Salzbergwerk gebaut wurde. Seitdem ist viel passiert. Die Stiege wurde vollständig freigelegt, abgebaut, technisch aufgenommen und wieder aufgebaut.

Es sind viele neue Erkenntnisse und Ideen dazu gekommen, von anderen hat man sich verabschiedet. Genaueres dazu können unsere geschätzten Leserinnen und Leser beispielsweise in den Posts von März und April 2014 oder in der Reihe zu unserem Experiment in Asparn nachlesen. Jedenfalls wurde es Zeit für eine neue Rekonstruktion.

Dieses Mal entschieden wir uns für ein kleines schmales Modell. Um eine Ahnung von dem Zeitaufwand zu bekommen, der für den Bau einer Stiege notwendig ist, wurde die Dauer jedes einzelnen Arbeitsschritt genau protokolliert.

Alles beginnt im Wald, beim Fällen und anschließendem Transport der benötigten Tannen und Fichten. Sobald die Stämme aus dem Wald gebracht sind, werden sie mit dem Beil auf die benötigte Länge gekürzt und entrindet. 

Die fertige Konstruktion, bereit
getestet zu werden.
(Bild: Max Grabner)
In die Wangen wird, ebenfalls mit dem Beil, eine Nut gehackt und Zapfenlöcher werden für die Spannschlösser gestemmt. Sind diese fertig, werden Spannschlösser aus jungen Eschen oder Buchen gefertigt und die zwei Wangen erstmalig verbunden.

Anschließend beginnt man, Stämme für die Auftritte und Distanzbretter zu spalten, die Flächen zu begradigen und die Verbindungen auszuhacken. Selbst für unsere nur zwei Meter lange Stiege sind 21 davon notwendig. Danach muss nur mehr alles zusammen gebaut werden.

Rechnet man den Zeitaufwand zusammen, den diese rund zwei Meter lange und 60 Zentimeter breite Konstruktion verursacht, kommt man auf nur 23 Stunden. Was noch hinzu kommt ist, dass man mit jedem neuen Teil schneller wird. Ungefähr zehn Stunden braucht man für einen Laufmeter Stiege, wie wir im Anschluss kalkulieren konnten. Mit anderen Worten: Die aufgefundene, vollständig erhaltene bronzezeitliche Stiege (mit 8m Länge und 1,4m Breite) hätte in 80 Stunden gefertigt werden können. Damit wären zwei Arbeiter im prähistorischen Hallstatt rund eine Woche lang beschäftigt gewesen.

Im Moment führen wir mit der neuen Rekonstruktion einen Abnutzungsversuch durch, bei dem wir einen Teil der Auftrittsbreite als Referenzfläche abgedeckt haben und aufzeichnen, wie oft über die Stiege gegangen wird. Daraus hoffen wir, neue Aufschlüsse zu den Abnutzungsspuren am Original zu erhalten.

(von Max Grabner)

Die Stiege während den Abnutzungstests (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)

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