Donnerstag, 23. Juli 2015

Wer in Asparn eine Grube gräbt – Salzgewinnung aus Sole

Die Kochgrube mit der Feuerstelle und
je 12 Kalk- bzw. Quarzsteinen.
(Bild: Claudia Panenka)
Vom 25.6. bis 28.6.2015 konnten Studentinnen und Studenten des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie der Universität Wien im Urgeschichtemuseum MAMUZ in Asparn/Zaya wieder frei nach dem Motto „learning by doing“ verschiedenste urgeschichtliche Techniken ausprobieren und analysieren.

Unser Experiment führte uns in die spannende Welt des urgeschichtlichen Kochens und zwar ganz ohne die Verwendung von Kochgefäßen, wie beispielsweise Keramiktöpfen, sondern nur mit Hilfe erhitzter Steine (sog. Kochsteine). Was das mit der Stiege aus dem bronzezeitlichen Bergwerk von Hallstatt zu tun hat? Das Kochen  in der Grube ist eine Technik, die auch für die Gewinnung von Salz aus Sole eignen könnte. Wenn es tatsächlich möglich ist, Wasser in einer Grube zum Kochen zu bringen, würde sich diese Technik auch zur Salzgewinnung eignen. Aber welche Steine sind dafür am besten geeignet? Wie hält man die Temperatur aufrecht? 


Nachdem wir eine Grube für 10 Liter Wasser ausgehoben hatten, dichteten wir sie mit insgesamt drei Lehmschichten ab, damit das Wasser nicht in den Boden sickern konnte. Zwei Tücher aus Leinen und Baumwolle boten zusätzlichen Schutz. Schließlich war unser „Gruberl“ fertig und wir konnten uns lehmverschmiert, aber glücklich auf das eigentliche Experiment stürzen!


Aller Anfang ist bekanntlich schwer und es dauerte einige Versuche bis wir den Dreh raus hatten. Grundsätzlich haben wir faustgroße Kalksteine und Quarzgeröll verwendet. Kalkstein wählten wir vor allem deshalb, weil in Irland, aber auch in skandinavischen Ländern verbrannte Kalksteine bei so genannten „burnt mounds“ (bedeutet übersetzt etwa „verbrannte Hügel“) gefunden wurden, die als Vorlage für unser Experiment dienten. 


Unser Abendessen: Wüstel und Gemüse.
Kochzeit: 15 Minuten. (Bild: Claudia Panenka)
Neben unterschiedlichen Formen experimentierten wir auch mit verschiedenen Methoden, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Schließlich stellten wir fest, dass runde Kalksteine, die wir im Feuer auf über 600°C erhitzen konnten, für unser Vorhaben am besten geeignet waren. Die Steine brauchten im Durchschnitt 20 Minuten bis sie die gewünschte Temperatur erreicht hatten. Und dann war es soweit: Das Wasser hat tatsächlich zu kochen begonnen und das in einer unglaublichen Zeit von nur wenigen Minuten!

Im Grunde braucht man für die 10 Liter Wasser 12 Steine, die man gleichzeitig erhitzt und dann in einem Intervall von 2-3 Minuten ins Wasser gibt. Dafür verwendeten wir selbst geschnitzte „Holzschaufeln“, wie sie bei einer eisenzeitlichen Fundstelle in Südtirol in einem Opfermoor in den Alpen gefunden wurden. Um die Temperatur konstant zu halten, muss man ca. alle 2 Minuten einen heißen Stein nachlegen, sonst pendelt sich die Wassertemperatur nach 20 Minuten bei ca. 50°-55°C ein. Im Wasser sind maximal 2 Steine zersprungen. Die Kalksteine sind grundsätzlich wiederverwendbar, aber Vorsicht ist geboten, weil uns ein Stein bereits im Feuer zersprungen ist. Wiedererhitzte Kalksteine speichern nicht mehr so viel Hitze, warum sie wohl nur zwei Mal zu verwenden sind. 


Am Ende des 3. Tages genossen wir schließlich zufrieden unsere selbst gekochten Paar Würstel und Karotten und überlegten, dass es grundsätzlich möglich sein müsste, in der Grube auch Salz zu gewinnen. Eine vollgrädige Sole könnte unserer Meinung nach in der Grube durchaus erhitzt werden! Damit kehrten wir nicht nur mit neuen Erkenntnissen zum Thema Kochgruben, sondern gleich auch mit einer neuen Forschungsfrage zur Salzgewinnung nach Wien zurück, die hoffentlich bald in einem neuen Experiment beantwortet werden kann.


(von Claudia Panenka)

Sowohl die Temperatur der Steine als auch die Wassertemperatur wurden regelmäßig gemessen. (Bild: Claudia Panenka)

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