Donnerstag, 16. April 2015

Bast und Baobab – Wie der Affenbrotbaum in die Hallstattforschung fand




Teil des Förderseils aus dem bronzezeitlichen Bergbau im Hallstätter Salzberg (Bild: Hans Reschreiter - NHM)
Wenn von unserer bronzezeitlichen Stiege  aus dem Salzbergwerk von Hallstatt die Rede ist, ist das große Thema natürlich immer der Transport des über 100m tief im Bergwerk abgebauten Salzes an die Oberfläche. Wie aber gelangte es nach oben?

Diese Frage stellte sich natürlich schon immer, einen besonderen Anstoß bekam sie aber 1992, mit dem Fund eines 4cm dicken Seiles aus Lindenbaststreifen, in dessen Nähe ein Jahrzehnt später die Stiege gefunden werden sollte.

Dieses dreischäftig gedrehte Seil stellt allem Anschein nach die zentrale Fördereinheit durch den Schacht des bronzezeitlichen Bergbaus dar.
Die nähere Betrachtung des Seiles wirft natürlich eine Menge Fragen auf: Wie groß war die Tragfähigkeit? Wie genau wurde das Seil bedient? Wie groß war der Abrieb und Verschleiß, sprich: wie oft musste das Seil erneuert und ausgetauscht werden? Mit welchen Techniken wurden Seile in der Bronzezeit hergestellt?

Zur Beantwortung oder zumindest Annäherung an diese Fragen, bieten sich vor allem die Methoden der experimentellen Archäologie und der Ethnographie an.

Wesentliche Erkenntnisse brachte hier das „Dadobat“-Projekt der BOKU Wien 
in den Jahren 2006 bis 2010.


Herstellung eines Seiles aus Fasern
des Baobab (Bild: Heather Leach)
Hierbei wurde die Arbeit von Seilern in Mali, Westafrika, die traditionell Seile aus der Faser des Affenbrotbaums herstellen, dokumentiert und archäologisch relevante Fragen zu ihrer Arbeitsweise, Technik und Material gestellt. Auch ließ man sie Seile aus dem ihnen eigentlich unbekannten Material Lindenbast herstellen, anhand derer Vergleiche zu den bronzezeitlichen Originalen angestellt werden können.


Auch auf dem Sektor der experimentellen Archäologie gibt es bereits einige spannende Arbeiten zu diesem Thema, so beispielsweise von Bettina Gabriel zu Bindematerialien aus Bast und Gras aus dem Christian-von-Tusch Werk und von Christian Seisenbacher zu Seilwinden  im prähistorischen und historischen Bergbau und deren Fördertechniken.

Weiter geht es nun mit einem Projekt in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, der Technischen Universität Chemnitz und der Firma ArcTech, im Rahmen der Wanderausstellung „SALZ BERG WERK“ die ab 3. Juli 2015 in Chemnitz gastiert.
Dafür werden wir eine originalgetreue Rekonstruktion des bronzezeitlichen Seils aus dem Salzberg  von Hallstatt anfertigen und anschließend auf den Prüfmaschinen der Technischen Universität auf Herz und Nieren testen.


                                                   (Fiona Poppenwimmer und Hans Reschreiter)


Gewinnung des Bastes des Affenbrotbaumes
(Baobab) in Mali (Bild: Heather Leach)

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