Donnerstag, 12. März 2015

...und Action! - Drehtag für das Bronzezeit-Kino im NHM

Doris Pany-Kucera an ihrem Arbeitsplatz in
der anthropologischen Abteilung des NHM.
(Bild: H. Reschreiter - NHM)
Nicht nur im Salzberg wird fleißig an der neuen Schaustelle der Salzwelten gearbeitet, auch in Wien dreht sich alles um das Bronzezeit-Kino. 

Letzte Woche war Scenomedia im Naturhistorischen Museum und hat einen ganzen Tag lang Filmaufnahmen für den Dokumentationsteil des Films gemacht, der in der neuen Stiegenkammer zu sehen sein wird. Gefilmt wurde unter anderem im Tiefspeicher, wo die Funde aus Hallstatt aufbewahrt werden, die wir bei unseren Grabungen bergen. Im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums Wien verwaltet alleine die prähistorische Abteilung über eine halbe Million Einzelobjekte. Diese stammen natürlich nicht alle aus Hallstatt, aber besonders die Funde aus dem Salzbergwerk stellen einen großen Teil der Sammlung dar. 

Im Tiefspeicher herrschen konstante klimatische Bedingungen, die für den zerstörungsfreien Erhalt der Objekte notwendig sind. Für besonders sensible Fundmaterialien erarbeiten wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern eigene Lagerungskonzepte. Für die Stoffe aus dem Salzberg haben wir zum Beispiel mit Hilfe der Universität für angewandte Kunst Wien spezielle Tableaus entwickelt, in denen die Textilien weitgehend erschütterungsfrei aufbewahrt werden können.

Die Textilfunde aus Hallstatt gehören zu den berühmtesten der Welt. Durch die außergewöhnlichen Umgebungsbedingungen im Salzberg unterliegen diese Funde keiner erhaltungsbedingten Selektion. Es gibt es sowohl Pflanzenfasern als auch Wolle, was die Hallstatt Textilien für die Erforschung der textiltechnischen Entwicklung in Mitteleuropa besonders interessant macht.  


Die anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums wirkt ebenfalls an der Hallstatt-Forschung mit. Hier werden die Skelettreste der Hallstätter Bergleute untersucht, die man im Gräberfeld im Salzbergtal gefunden hat. Doris Pany-Kucera beschäftigt sich unter anderem mit jenen Indizien an den Knochen, die auf harte körperliche Arbeit schließen lassen. Über Muskelmarken kann sie bestimmte Bewegungsabläufe erschließen, die die Menschen zu ihren Lebzeiten kontinuierlich ausgeführt haben müssen. Es dauert lange, bis sich solche Muskelmarken herausbilden. Da sie sich aber in Hallstatt bereits an den Skelettresten von Kindern nachweisen lassen, wissen wir, dass auch Kinder im Bergwerk regelmäßig schwere Arbeiten verrichtet haben. 


In der 3D-Animation, die ebenfalls künftig im Bronzezeit-Kino zu sehen sein ist, wird deshalb auch ein fiktiver Junge namens Udlo im Zentrum stehen und den Besucherinnen und Besucher der Salzwelten seine Arbeitswelt zeigen.

(Carmen Löw und Hans Reschreiter)


Die Textilarchäologin Karina Grömer im Tiefspeicher des Naturhistorischen Museums Wien
bei der Untersuchung von Hallstatt-Textilien. (Bild: H. Reschreiter - NHM)

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