Dienstag, 18. März 2014

Der Hallstätter Salzberg - eine archäologische Schatzkiste

Die Stiege aus dem Hallstätter-Salzbergwerk, um die sich in diesem Blog alles dreht, ist die älteste erhaltene hölzerne Treppe Europas. Durch eine dendrochronologische Analyse, die von der Universität für Bodenkultur in Wien durchgeführt wurde, weiß man, dass das Holz der Stiege in den Jahren 1344 und 1343 v. Chr. geschlagen worden ist.
Während also in Ägypten Echnaton und Nofretete herrschten und in Griechenland die Mykenische Kultur ihre Blütezeit erlebte, transportierten in Hallstatt Bergleute Salz über diese Stufe.
Dass sich das Holz der Stiege über beinahe dreieinhalb tausend Jahre erhalten hat, ist den günstigen Bedingungen im Hallstätter Salzberg zu verdanken. Der hohe Salzgehalt im Berg wirkt antibakteriell. Luftfeuchtigkeit und Temperatur sind nahezu konstant und UV-Strahlung gibt es nicht. Da sich zudem fast alle einmal geschaffenen Hohlräume durch den Bergdruck wieder schließen, lagern die Fundobjekte darin über beinahe den gesamten Zeitraum zusätzlich unter Luftabschluss. Alles das also, was den natürlichen Alterungsprozess begünstigt, fehlt im Salzberg. Das macht ihn zu einer archäologischen Schatzkiste, die uns vielfältige Einblicke in das Leben von Bergleuten in längst vergangener Zeit gewährt. Neben der Stiege wurden im Salzberg Steigbäume, Pickel, Seile, Tierfelle, Tragsäcke, Tücher, Kleidungsreste, Schuhe und eine ganze Menge weiterer Dinge gefunden, die unter anderen Umständen lange schon verrottet wären. Dazu gehören auch Essensreste und sogar das, was nach dem Verdauen vom Essen übrig bleibt.
Textil aus dem Hallstätter Bergwerk
©NHM - A. Rausch
Bedingungen, wie sie im Hallstätter Salzberg herrschen, gibt es im Zusammenhang mit archäologischen Funden nur an zwei weiteren Orten auf der Welt: in den Salzbergwerken am Dürnnberg in Hallein und in Cher Abad im Iran.
Deshalb sind die Hallstatt-Forscher oft mit Objekten konfrontiert, die so noch niemand gesehen hat, und mit vielerlei Fragen, die sich sonst niemand stellen muss. Zu diesen Fragen gehören: „Wie sieht eine Mure von unten aus?“ und „Zersägt man ein dreieinhalb tausend Jahre altes Stück Holz besser mit einer Kettensäge oder mit einer japanischen Handsäge?“ Zum Forschen in Hallstatt braucht man deshalb vor allem Vorstellungsvermögen und Innovationsbereitschaft. Ach ja, und ein wenig Mut braucht man dafür auch.

(Von Carmen Löw)

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