Dienstag, 21. Januar 2014

Der Berg drückt und die Stiege muss siedeln

Über 3000 Jahren lag die Holzstiege als ein kleiner Teil eines prähistorischen Salzbergwerks im Hallstätter Salzberg im Salzkammergut, eingebettet in Heidengebirge und in durch eine Katastrophe in den Berg eingedrungenes Tagmaterial. Ein wenig wurde die Stiege durch den Bergdruck deformiert, aber im Großen und Ganzen lag sie noch immer so da, wie sie die Augen der prähistorischen Bergleute sahen – nur war sie unsichtbar.

Hans Reschreiter beim Freilegen
der Stiege 2004 ©NHM - A. Rausch
Die wissenschaftliche Neugier von Archäologen der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums führte dazu, dass 2001 ein kleiner Teil der Stiege nach über 3000 Jahren wieder zum Vorschein kam und in den darauffolgenden Jahren wurde sie mehr und mehr freigelegt und bewundert, denn nun war sie kein Gebrauchsgegenstand mehr, auf dem Bergleute auf und ab gehen, sondern eine archäologische Sensation.



Doch es war auch mit der Ruhe vorbei. Der Berg drückte wieder und er begann die Stiege zu verschieben – ein natürlicher Prozess, der den Erhalt der Konstruktion gefährdete. Das gefiel den Forschern natürlich nicht, denn sie hätten die Steige gerne unverändert an ihrer Fundstelle belassen. 


Die Stiege muss geborgen werden: 
Robert Fürhacker 2012 ©NHM - A. Rausch
Doch dann hatte der Eigentümer des Bergwerks, die Salinen Austria AG und Salzwelten GmbH, eine Idee, die es gleichzeitig ermöglichte, die Stiege zu schützen und sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, indem man eigens für die Stiege einen neuen Raum im Besucherbergwerk der Salzwelten freisprengt. So kann sie ohne Bergdruck künftig weiterhin in der für ihren Erhalt so wichtigen Umgebung bleiben. Das stellte die verantwortlichen Archäologen allerdings vor viele zu beantwortende Fragen, denn einfach abbauen und dann an einer Stelle, wo sie die Touristen bewundern können, wieder aufbauen, das geht nicht, denn Archäologie ist eine Wissenschaft. Das bedeutet, alles muss genau dokumentiert werden, damit auch danach, wenn die Stiege nicht mehr da ist, wo sie so lange lag, noch immer mit den dokumentierten Daten weitergeforscht werden kann.

Ablaufbesprechung vor Beginn des Abbaus 2013 
©NHM - A. Rausch
Also wurde viel darüber nachgedacht, was gemacht werden muss, bevor die Stiege abgebaut wurde, wie sie abgebaut werden soll, was dann mit den einzelnen Teilen gemacht werden soll und wie sie dann wieder aufgebaut werden soll…. bevor man 2013 mit dem Abbau begann.



(Von Robert Fürhacker)

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