Dienstag, 21. Januar 2014

A Stiagn

Es ist ungewohnt, die Hallstätter Stiege nun in unserem Tiefspeicher im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen, wo sie gerade nochmals gründlich dokumentiert wird.


Die erste Teilansicht der 
südlichen Stiegen-Wange 
(an der Ecke des Maßstabs) 
2001 ©NHM - A. Rausch
Als wir sie damals gefunden haben, haben wir lange nicht gewusst, was das überhaupt für ein Ding ist. In der Montanarchäologie sieht man Vieles von einem ungewohnten Blickwinkel aus und so haben wir auch bei der Stiege erst einmal von unten auf die Tritte geschaut, als wir begannen sie frei zu schrämen. Wir hatten zwar schon bald verstanden, dass es sich um eine komplexere Konstruktion handeln musste, die in prähistorischer Zeit als Hilfsmittel bei der Salzgewinnung eingesetzt worden war. Aber über alles Andere gingen unsere Vermutungen weit auseinander.

Neulich habe ich mir nochmal die Grabungstagebücher angeschaut. Dabei ist mir wieder mal bewusst geworden, was für ein unglaubliches Gespür mein Vorgänger Eckart Barth hatte, für alles, was den Hallstätter Salzberg betrifft. Während ich und viele andere nämlich noch dachten, es sei eine Arbeitsplattform, hatte Eckart schon ein kleines, einfaches Stiegenmodell geschnitzt.

Die Stiege ist nun als solche erkennbar.
Martin Obenaus beim Freilegen.
2004 ©NHM - A. Rausch
Den Moment, als uns endgültig klar wurde, dass die Stiege eine Stiege ist, erinnere ich noch genau: Martin Obenaus, einer der besten Ausgräber Österreichs, war damals mit der Freilegung der Stiege betraut. Normalerweise kam er etwa alle 2 Stunden in unser provisorisches Büro unter Tage, ruhte sich kurz aus und trank etwas Tee. An diesem Tag aber blieb er plötzlich vier Stunden weg. Als er endlich kam, nahm sich gewohnt wortlos seine Tasse, setzte sich hin und trank ein paar Schlucke. Ich beschloss, mich nicht weiter zu wundern und machte mich wieder an meine Arbeit. Und dann sagte er doch etwas. Es war dieser eine Satz, der alle unsere verschiedenen Überlegungen beendete:„Es is a Stiagn.“ Dann stand er auf und ging wieder an die Arbeit.

(Von Hans Reschreiter)

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