Donnerstag, 11. August 2016

Hallstatt meets Attersee


Hans Reschreiter informiert über die Bergwerksgrabung
in Hallstatt (Bild: H. Seidl da Fonseca)
Beim Welterbefest in Seewalchen am Attersee letztes Wochenende war einiges los. Unterschiedlichste archäologische Forscher präsentierten ihre Projekte rund um die Pfahlbauten und verwandte Themen. Auch die Hallstatt Forschung war durch Hans Reschreiter und Karin Wiltschke-Schrotta vom Naturhistorischen Museum Wien mit einem Stand vertreten, wo sie die Ergebnisse der Bergwerksgrabung und der Anthropologie vorstellten. Sie vertraten dort die neun UNESCO-Welterbestätten Österreichs.

Ein absolutes Highlight war die Einbaumregatta, bei der Teams unterschiedlichster Forschungseinrichtungen, lokaler Vereine und sogar aus der Politik in Nachbauten jungsteinzeitlicher Boote gegeneinander durch den Attersee paddelten. Die beiden Einbäume wurden, wie der Name schon sagt, aus je einem Baumstamm gefertigt, einer maschinell und der Andere in Handarbeit. 

Das Einbaum-Team vom Gräberfeld Hallstatt
(Bild: H. Seidl da Fonseca)
Für die Hallstattforschung gingen gleich zwei Teams an den Start. Eines vertrat die Grabung am Gräberfeld und belegte den großartigen dritten Platz. Das zweite Team vertrat die neun Welterbestätten Österreichs. Geleitet wurde es von Henrik Pohl, dem Site Manager des Kuratoriums Pfahlbauten in Oberösterreich. Gemeinsam mit den insgesamt vier Team-Mitgliedern der Hallstattforschung, darunter auch der Leiter der Bergwerksgrabung Hans Reschreiter, lieferten "Die glorreichen 9" eine grandiose Leistung ab.

Nicht ohne Stolz dürfen wir verkünden, den ersten Platz in der Gesamtwertung erpaddelt zu haben, zeitgleich mit dem Team der Marktgemeinde Seewalchen am Attersee. 

Fortuna war bei der Entscheidung durch Münzwurf zwar nicht mehr auf unserer Seite, doch nichtsdestotrotz war es ein einmaliges Erlebnis einen Einbaum fahren zu dürfen. 
(von Fiona Poppenwimmer)


Das stolze Siegerteam, angeführt von Henrik Pohl (Bild: H. Seidl da Fonseca)



Donnerstag, 4. August 2016

Ziegensack und Laserscan - Archäologie am Berg 2016



Bei der experimentellen Archäologie kann
Bronze gegossen werden (Bild: C. Löw - NHM Wien)
Am 20. und 21. August ist es wieder so weit. Die Archäologen versammeln sich in der Außenstelle des Naturhistorischen Museums Wien, am Hallstätter Salzberg, um allen Interessierten ihre Arbeit und ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren. 

Wie immer wird es an diesem Wochenende wieder viele Stationen geben, bei denen man sich von 10.00 bis 17.00 Uhr über alle archäologischen Themen rund um Hallstatt informieren kann: 

Wie sieht eigentlich eine archäologische Ausgrabung im Berg aus? Wie werden die Funde behandelt und konserviert? Wie wurden Bronzepickel hergestellt und verwendet? Was steckt hinter der Technik von Rasterelektronenmikroskop, Laserscanner und Co? Wie lebten und arbeiteten die Hallstätter Bergleute der Bronze- und Eisenzeit? Was haben Geoelektrik und Pollenanalysen mit Archäologie zu tun? 
Anke Bacher zeigt, wie die Funde aus dem  Bergwerk
weiter behandelt werden (Bild: C. Löw - NHM Wien)
Für diese und hoffentlich viele weitere Fragen wird das Team des Naturhistorischen Museums und seiner Forschungspartner zur Verfügung stehen. Es werden Mitarbeiter der Ausgrabungen im Bergwerk und dem Gräberfeld von Hallstatt, Kollegen vom Institut für Holzforschung der BOKU Wien, des Ludwig Boltzmann Instituts, der Geologischen Bundesanstalt und viele weitere Experten anreisen. 

Auch die experimentelle Archäologie wird wieder nicht zu kurz kommen und unter anderem Holzarbeiten, Bronzegießen und Lederverarbeitung vorführen. 

Beispielsweise können die Besucher miterleben, wie aus einem Stück abgezogener Ziegenhaut eine Replik des eisenzeitlichen Rucksacks aus Hallstätt wird. 
Diese Experimente sind hilfreich und notwendig dafür, dass Leben der prähistorischen Bergleute nachvollziehen und genauer hinterfragen zu können. 

Damit für alle hungrigen Besucher gesorgt ist, wird auch wieder „archäologisch“ gekocht werden. Speisen wie das bekannte Hallstätter Ritschert standen immerhin schon in der Eisenzeit auf dem Speiseplan. 

Wir freuen uns auf spannende Gespräche und viele interessierte Besucher.

 (von Fiona Poppenwimmer)

Interessante Gespräche zwischen ArchäologInnen und BesucherInnen
(Bild: A.W. Rausch - NHM
Wien)
 

Donnerstag, 21. Juli 2016

Von Gerba und Foschi - Was Hallstatt mit der Sahara verbindet


Eine "Gerba" - ein Wassersack aus Ziegenhaut
aus dem Niger (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Erst vor Kurzem haben wir über den heurigen Plan berichtet, die Ziegenhautsäcke aus dem Hallstätter Salzberg nachzubauen und zu testen.
Um die prähistorischen Ziegenhautsäcke aus Hallstatt besser zu verstehen, arbeiten wir aber nicht nur an Rekonstruktionen. Wir sammeln auch moderne Ziegenhautsäcke um deren Herstellungs- und Verwendungsspuren mit den 2500 Jahre alten Stücken aus dem Bergwerk vergleichen zu können.
Und gestern war es wieder so weit. Eine Gerba, ein traditioneller, aus einem Ziegenbalg gefertigter Wassersack aus dem Niger, wurde mir übergeben. Die Überbringerin war Frau Eva Gretzmacher. Sie ist Initiatorin des Kompetenzzentrums amanay in Agadez/Niger und lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Agadez.

Die mit Trinkwasser gefüllte Gerba wird luftig
aufgehängt. Das verdunstende Wasser kühlt
den Inhalt. Im Hintergrund die Packkamele
und die Futterbündel, die für die Hin- und
Rückreise mittransportiert werden.
(Bild: Eva Krati)

Bei der Übergabe erfolgte eine intensive Erklärung zur Verwendung der Gerba und - auf was Rücksicht zu nehmen ist - wie sie zu lagern, zu befüllen ist und wie sie hergestellt wurde. Wir sprachen auch lange über andere Handwerkstechniken, wie Seilerei und Töpferei, die im Niger zum Teil noch auf sehr hohem Niveau gepflegt werden, bei uns aber schon fast ausgestorben sind und Massenproduktion gewichen sind.

Den Kontakt zu Eva Gretzmacher hat Eva Krati hergestellt. Sie ist auch eine Saharareisende, arbeitet jetzt als Freiwillige bei uns in der Abteilung und unterstützt das Team von Restauratorin Gergana Almstätter. Eva Krati hat uns einen Teil ihrer Saharafotos zur Verfügung gestellt. Dieser tolle Schatz an Aufnahmen zeigt auch eine Gerba in Funktion während der Rast einer Salzkarawane.

Ein "Foschi" - ein gespresster Salzlaib aus
Agadez (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)
Neben der Gerba wurde noch ein Stück aus Agadez nach Wien geschleppt: ein Salzlaib, "Foschi" oder "Fotschi" genannt. Zur Herstellung dieser Stücke werden 2 kg fast reines Speisesalz ("Beza-Salz") in eine Emailleschüssel gepresst und anschließend getrocknet.
Ich bin total stolz, dass jetzt endlich so ein Salzlaib in der Sammlung des NHM ist. Die "Foschi" werden in den Salzoasen Bilma und Fachi hergestellt. Dort wird in den Verdunstungsbecken die natürlich vorkommende Sole weiter konzentriert, bis Salzkristalle zu wachsen beginnen.

Verdunstungsbecken zur Salzproduktion in Bilma
(Bild: Eva Krati)
Aus dem gewonnenen Salz werden neben den "Foschi", die als Speisesalz dienen, noch 25 kg schwere Salzkegel produziert – die "Kantu". Sie dienen als Viehsalz.

Die Analyse von modernen Salzproduktionen und Salzaustauschsystemen, wie denen in der Sahara, gibt uns Hinweise, wie die Herstellung und der Vertrieb von Salz in Gesellschaftsstrukturen eingebettet ist und kann uns helfen, prähistorische Salzproduktion besser zu verstehen.
Aber dazu mehr in einem der nächsten Posts aus Hallstatt. 

Lager von "Kantu" und "Foschi" in Bilma
(Bild: Eva Krati)
Ich war nun schon sehr lange nicht mehr in der Sahara, meine letzte Reise nach Afrika liegt 20 Jahre zurück. Ich denke schon darüber nach, Eva Gretzmacher in ihrem Kompetenzzentrum in Agadez zu besuchen und Ziegensäcke, Seilerei, Gerberei, Töpferei aus nächster Nähe kennen zu lernen und Handwerkstechniken und Fertigkeiten erleben, erlernen und dokumentieren zu können, die bei uns nicht mehr gepflegt werden.

Zum Abschluss noch ein Filmtipp: Evas Sohn, Christoph Gretzmacher ist als Produktionsleiter für einen der faszinierendsten Sahara Filme verantwortlich, der in den letzten Jahren realisiert wurden und auch mehrfach ausgezeichnet wurde: „Die Frauenkarawane“ von Nathalie Borgers. 
Anschauen und eintauchen in eine Welt aus Sand und voller spannender Aspekte rund um Tauschsysteme, Geschlechterrollen und Datteln. Zu sehen ist er unter www.lotus-film.at/filme/die-frauenkarawane

von Hans Reschreiter




Donnerstag, 14. Juli 2016

Alles Käse? Spanschachteln aus dem Bergwerk


Spanschachteln sind für uns nach wie vor eine bekannte Verpackung für Käse. Die Geschichte dieser Holzschachteln reicht bis in die Bronzezeit zurück.

Eine der eisenzeitlichen Spanschachteln aus dem
Hallstätter Salzberg (Bild:NHM Wien)
Der größte europäische Fundkomplex an eisenzeitlichen Spanschachteln stammt aus dem Hallstätter Salzbergwerk. Dort wurden in den letzten Jahrzehnten einige fast vollständige Spanschachteln und über 20 Fragmente solcher Behälter entdeckt. 

Etliche dieser Schachteln weisen an der Wandinnenseite oder am Boden eine gelbliche Kruste auf. 
Vor genau 50 Jahren wurde von Karl Kromer eine erste Analyse dieser Kruste publiziert: „Eine chemische Untersuchung hat ergeben, dass in diesen Schachteln möglicherweise stark kaseinhaltige Substanzen aufbewahrt wurden (Kromer 1966, 233).“


Seitdem werden die Hallstätter Spanschachteln als Käseschachteln bezeichnet.
Um diese Vermutung zu bestätigen oder zu überprüfen, sind wir seit Jahren auf der Suche nach geeigneten Analyseverfahren. 

Auf der Universität für Bodenkultur machen wir nun einen ersten Schritt in diese Richtung. Johannes Tintner und Barbara Stefke entführen uns mit unserer Spanschachtelprobe ins 2,5. Untergeschoss des Simon Zeisel Hauses, dem Imaging Centers in der Muthgasse.

Innenseite einer Spanschachtel mit gelblicher Kruste
(Bild: Univ. für Bodenkultur Wien)
Dort steht neben vielen anderen Analysegeräten ein FT-IR Mikroskop, mit dem berührungslos Reflexionsspektren im mittleren Infrarot aufgenommen werden können. Damit ist es möglich infrarot aktive organische und anorganische Substanzen zu bestimmen.  
 
Neben der zerstörungsfreien Analyse hat dieses Gerät noch einen zweiten großen Vorteil – es kann ein Image aus vielen Messpunkten erstellen – also Flächenmessungen vornehmen. 

Im Moment ist unser Spanschachtelfragment gerade ins Gerät eingespannt und wir sind schon total neugierig ob vor 2500 Jahren im Bergwerk alles Käse war in den Schachteln, oder ob sich doch eine andere Substanz hinter der gelben Kruste verbirgt. 
(von Hans Reschreiter)

Genaue Analysen im Labor der Universität für Bodenkultur (Bild: H. Reschreiter - NHM Wien)